Blutegeltherapie bei Kniegelenksarthrose: Ablauf, Nachsorge und Risiken

Blutegeltherapie bei Kniegelenksarthrose: Ablauf, Nachsorge und Risiken

Blutegeltherapie bei Kniegelenksarthrose: Ablauf, Nachsorge und Risiken

©kreativwerdenDie Behandlung mit Blutegeln blickt auf eine lange Tradition zurück und kann vielseitig eingesetzt werden .
Blutegel werden bei Gelenkerkrankungen, Entzündungen oder auch auf Spezialgebieten wie Gürtelrose oder Tinnitus eingesetzt. Dieser Artikel verrät, wie die Behandlung bei Kniegelenksarthrose abläuft.


Die Geschichte der Blutegeltherapie

Die Blutegeltherapie ist eine der ältesten Heilmethoden, die es gibt. Erste Darstellungen sind dem Jahr 1500 v. Chr. in Ägypten zuzuordnen. In Griechenland wurde die Therapie dann im Jahr 150 v. Chr. beschrieben. Eine exzessive Anwendung fand die Blutegeltherapie in den Jahren 1800 bis 1850, hauptsächlich in Frankreich. Hier wurden pro Therapie bis zu 80 Egel eingesetzt. Nachdem die Forschung Gerinnungshemmer in Medikamentenform entwickelt hat, ebbte die Nachfrage ab.

Seit 1970 erlebt die Therapie aber eine Renaissance. Nicht zuletzt, weil der Speichel der Blutegel (sog. "Saliva") mehr kann, als die Gerinnung zu hemmen, und nahezu keine ernsthaften Nebenwirkungen mit sich bringt.


Was sind Blutegel?

Blutegel gehören als Ringelwürmer zur Gattung Hirudo. Sie haben zwei Saugnäpfe jeweils am Anfang und am Ende des Körpers. Am Anfang des Körpers liegen hinter dem Saugnapf drei Kiefer, die jeweils mit 80 Zähnchen bestückt sind. Wenn ein Blutegel gebissen hat, bleibt er etwa eine Stunde an seinem Wirt und saugt in dieser Zeit ca. 10 ml Blut. Der Wirt blutet dann noch weitere ca. 10 ml nach. Danach ist der Blutegel für ca. zwei Jahre gesättigt.


© Alex Staroseltsev - Fotolia
Bei der Therapie mit Blutegeln gelangen verschiedenste Stoffe in den Körper, die unterschiedliche Auswirkungen zeigen (© Alex Staroseltsev - Fotolia)
Wie sicher ist die Behandlung?

Blutegel sind in Deutschland als Medizinprodukt eingeordnet und dürfen daher nur einmalig angewandt werden. 

Es gibt in der Literatur keine Fälle von übertragenen Infektionen nach dieser Quarantänezeit. Die Nachblutung, die der Wirt erlebt, dient einer zusätzlichen Wundreinigung.

Als unerwünschte Wirkungen werden hauptsächlich Juckreiz und Rötungen beschrieben, die sich nach wenigen Tagen legen.

Welche Wirkstoffe kommen bei der Blutegelbehandlung zum Einsatz?

Man geht davon aus, dass in der Saliva über 400 Wirkstoffe zu finden sind. Über 100 wurden bereits erforscht. Die wichtigsten sind hier aufgeführt:

  1. Faktor-Xa-Hemmer verhindern, dass sich Prothrombin in Thrombin umwandelt. Das sind Stoffe, die bei der Blutgerinnung eine wesentliche Rolle spielen.
  2. Hirudin bewirkt die Inaktivierung des Gerinnungsfaktors Thrombin. Dadurch kann sich Fibrinogen nicht zu Fibrin entwickeln. Auch diese Stoffe sind Bestandteile der Blutgerinnung.
  3. Destabilase löst Fibrin-Blutgerinnsel auf.
  4. Calin hemmt die Bindung von Thrombozyten an Gefäßwände.
  5. Egline haben eine entzündungshemmende Funktion.
  6. Bdelline sind ebenfalls entzündungshemmend.

Außerdem entspricht der Saugvorgang einem Mikroaderlass.

Behandlung der Kniegelenksarthrose

Vor der ersten Behandlung findet ein Beratungsgespräch statt. Gleichzeitig wird ein Blutbild erstellt, um eine Blutarmut und Gerinnungsstörungen auszuschließen.

Der Patient sollte am Tag der Behandlung auf Deodorants oder Parfum verzichten und nur mit Wasser duschen oder baden.

Um das freigemachte Kniegelenk werden zwischen vier und sechs Egel auf der Körpervorderseite angebracht. Der Therapeut gibt ihnen die genaue Lage vor.

Der Egel saugt sich an der Haut des Patienten an und öffnet sie mit einem Biss, der sich wie ein Mückenstich anfühlt und ca. zwei Minuten dauert. Danach wird der Kieferapparat wieder zurückgezogen, der Egel ist nur noch durch Unterdruck mit dem Patienten in Verbindung. Dann folgt der Saugvorgang. Der Egel nimmt in einer Stunde ca. 10 ml Blut auf. Ist er gesättigt, lässt er sich einfach fallen. Der Therapeut entfernt ihn nun aus dem Behandlungsbereich. So fällt ein Egel nach dem anderen ab. Ein erfahrener Therapeuten kann sie auch manuell entfernen.

© psdesign1 - fotoliaAuch bei Gelenkbeschwerden wie Kniearthrose kann die Behandlung mit Blutegeln vielversprechend sein (© psdesign1 - fotolia)Sind alle Egel abgefallen, wird das Wundgebiet verschlossen. Auf jede Kleinwunde wird eine sterile Kompresse und darauf ein Saugpad gelegt, das die nachfolgenden Bluttropfen in den folgenden ca. 24 Stunden aufnimmt. Abschließend gibt es einen Verband, der nur mit sehr leichtem Druck umwickelt wird.

Nach ca. 24 Stunden stellt sich der Patient erneut zur Kontrolle vor. Die Behandlung am Kniegelenk mit Arthrose wird nach ca. drei Wochen wiederholt. Die meisten Patienten berichten dann von einer um 80 % herabgesetzten Schmerzsymtomatik, die ca. ein Jahr anhält. Bei ordentlichem Verschluss der Wunden ist mit keinen weiteren Nebenwirkungen zu rechnen. Häufig können Medikationen abgesetzt oder erheblich reduziert werden. Dafür bietet sich eine Abstimmung mit dem Hausarzt an. 


Nach der Behandlung

Der Egel lässt sich nach ca. einer Stunde abfallen. Er ist dann für ca. zwei Jahre satt.
Der Patient blutet nach der Behandlung noch ca. 24 Stunden tröpfchenweise nach. Er sollte sich in dieser Zeit schonen und wenn möglich das behandelte Knie etwas hochlagern. Die Blutung ließe sich mit einem Druckverband kurzfristig stoppen, das ist aber therapeutisch ausdrücklich nicht gewünscht.

Am nächsten Tag stellt sich der Patient erneut vor. Die Wunde wird kontrolliert und der Verband wird gewechselt. In aller Regel kann der Patient diesen zweiten Verband dann nach weiteren ca. 15 Stunden selbst abnehmen.

Nebenwirkungen kommen manchmal vor. Als unerwünschte Wirkung wird beschrieben: Juckreiz (30 %, 2-3 Tage), Rötung (30 %, 2-3 Tage), leichte Narbenbildung (7 %) und lokale allergische Reaktion (2 %).

Es ist wichtig, dass bei Juckreiz nicht gekratzt wird. Durch Kratzen kann sich die Wunde infizieren und entzünden.


© Subbotina Anna - fotolia

Bestimmte Patientengruppen, wie z.B. schwangere Frauen, sollten die Therapie nicht durchführen (© Subbotina Anna - fotolia)Kontraindikationen

Von einer Blutegeltherapie sollte z.B. abgesehen werden, wenn

  • Sie dauerhaft Medikamente zur Blutgerinnungshemmung einnehmen
  • Sie schwanger sind oder Sie gerade die Menstruation begleitet
  • Sie an einer schweren Organerkrankung, besonders unter einem Magengeschwür, leiden
  • Sie zu Keloiden neigen (gutartige Tumore)


Therapiekosten

Die Therapiekosten unterscheiden sich nach Erkrankung und nach Therapeut. Sie gliedern sich in aller Regel in drei Teile:

  1. Beratungstermin (inkl. Blutbild)
  2. Behandlung (Grundtarif zuzüglich Egel je nach Anzahl)
  3. Folgetermin (Verlaufskontrolle und Verbandwechsel)

Gesetzliche Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten in der Regel nicht.
Private Krankenversicherungen tragen sie meist. Bitte erkundigen Sie sich gegebenenfalls im Vorfeld bei Ihrem Versicherer.

 

Quelle: jameda.de

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