Behandlungen am Tier: Blutegeltherapie

Behandlungen am Tier: Blutegeltherapie

Blutegeltherapie

Ein Tier heilt Tiere – der medizinische Blutegel als Heilmittel

Die Blutegel gehören zu den ältesten Heilmitteln, die wir kennen. Die Wirksamkeit bei vielen Erkrankungen ist in zahlreichen Publikationen dokumentiert.

Im Prinzip lässt sich die Blutegeltherapie sehr einfach erklären: Es ist ein Zusammenspiel von mehr als 13 erforschten Wirkstoffen im Speichel des Egels, die beim Biss in die Wunde übertragen werden.

Die wichtigsten Wirkungen davon sind:

  • Blutgerinnung wird gehemmt – dieser gewünschte Effekt bewirkt, dass die Wunde sich nach dem Ablösen des Egels nicht selbstständig verschließt, sondern die gewünschte Nachblutung (bis zu 12 Stunden) erfolgen kann. Vergleichbar mit einem kleinen Aderlass
  • schmerzlindernd und entzündungshemmend
  • durchblutungsfördernd und gefäßerweiternd
  • Beschleunigung des Lymphflusses
  • entstauende Wirkung
  • antibiotisch

 
Die Blutegeltherapie wird beim Tier bei folgenden Erkrankungen erfolgreich angewendet:

  • Arthritis und Arthrose
  • Wirbelsäulenerkrankungen (Spondylosen, Bandscheibenvorfall, Cauda equina)
  • Ekzeme, Abszesse, Wundheilungsstörungen
  • Blutergüsse
  • Dysplasien (HD und ED)
  • Erkrankungen der Bänder und Sehnen (Kreuzbandriss)
  • Muskelerkrankungen (Muskelverhärtungen)
  • Nervenerkrankungen (Entzündungen und Reizungen)
  • Venen- und Lymphbahnenerkrankungen (Thrombose)

 
Die Blutegeltherapie kann bei einigen Patienten nicht angewendet werden, wie zum Beispiel bei:

  • Blutgerinnungsstörungen oder die Gabe von Medikamenten, welche die Blutgerinnung hemmen
  • allen Arten von Anämien
  • akuten Infekten
  • Diabetes mellitus
  • Immunschwäche
  • Dauertherapie mit Cortison (kurzfristige Gaben sind bedenkenlos)
  • starke Allergieneigung
  • Überempfindlichkeit gegen Heparin
  • Trächtigkeit
  • Tumore
  • schwere Organerkrankungen

 
Mögliche Nach- und Nebenwirkungen:

  • Rötung
  • lokaler Juckreiz
  • Schwellung
  • Bluterguss im Bereich der Bissstelle

 
Sie müssen bitte darauf achten, dass ihr Tier die Wunde nicht beleckt oder daran kratzt, denn sonst kann es zu einer Entzündungsreaktion im Wundbereich kommen. Sollte starker Juckreiz auftreten, kann eine geeignete Salbe aufgetragen werden. Die Bissstelle verheilt in der Regel ohne Narbenbildung, es können manchmal kleine punktförmige Hautaufhellungen zurückbleiben.

In äußert seltenen Fällen können Temperaturerhöhungen und Lymphknotenschwellungen auftreten, dies sind normale Reaktionen, die nach einigen Tagen verschwinden.

Aufgrund der blutdrucksenkenden Wirkung kann es sehr selten zu Kreislaufreaktionen kommen. Um dies zu verhindern sollten am Tag der Behandlung und je nach Konstitution des Tieres 1 – 2 Tage danach möglichst größere Anstrengungen (Hundesport, lange Spaziergänge) vermieden werden und Wasser immer ausreichend zur Verfügung stehen.

Wichtig:
Bitte informieren Sie uns vor Behandlungsbeginn über bekannte Vorerkrankungen, Allergien und Medikamentengabe. Blutegel beißen bei behandelter Haut nicht oder nur sehr schlecht. Deshalb muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die Haut frei ist von Chemikalien, Salben, Gels und Cremes und anderen stärkeren Geruchsstoffen (z.B.Teebaumöl). Dazu gehören auch alle Parasitenmittel gegen Flöhe, Zecken und Milben (Halsbänder, Spot-on-Präparate und Tabletten), Shampoos und andere parfümierte Produkte.

Die Behandlung am Tier:
Die Therapie erfolgt in unseren Praxisräumen mit Terminvergabe. Die Behandlung kann zwischen 30 und 90 Minuten dauern, bitte stellen Sie sich darauf ein.

Nach Möglichkeit sollte das Tier vor der Behandlung Kot und Urin abgesetzt haben.
Nachdem das Tier im Behandlungsraum seinen Platz gefunden hat, wird die betroffene Hautstelle erwärmt und die Blutegel (zwischen 1 und 4 Stück, je nach Größe und Gewicht des Tieres) an den entsprechenden Platz angelegt.

Da es sich bei Blutegeln um wechselwarme Tiere handelt, beißen sie an der so vorbereiteten Hautstelle normalerweise sehr schnell. Nun lässt man sie saugen bis sie von alleine wieder abfallen. Es ist darauf zu achten, dass weder Patient noch Patientenbesitzer vorzeitig den Egel entfernen oder ihn beim Saugen stören (Quetschen, Kratzen, Abschütteln, etc). Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Blutegel in die Wunde erbrechen, was zu Infektionen der Wunde führen kann. Außerdem wird der therapeutische Effekt herabgesetzt, da die gesaugte Blutmenge und der abgegebene Speichel zu gering sind.

Der Blutegel saugt normalerweise 20-50 ml Blut und ist dadurch in der Lage das 5 -10 fache seines Körpergewichtes an Blut aufzunehmen. Die gleiche Menge an Blut wird bei der gewünschten Nachblutung noch einmal aus der Wunde fließen. Die Nachblutungszeit ist individuell verschieden und kann erfahrungsgemäß bis zu 12 Stunden andauern.

Nachdem der Egel abgefallen ist, lässt man die Wunde noch ca 5-10 Minuten ohne Wundabdeckung nachbluten. Danach wird ein lockerer saugfähiger Verband (kein Druckverband!) angelegt, welcher das Blut aufsaugt. Sie sollten nach Verlassen der Praxis alle 15 Minuten leicht auf den Verband drücken, damit sich keine Blutblasen bilden und die weitere Nachblutung ungehindert erfolgen kann. Wenn der Verband durchgeblutet ist, muss zu Hause ein Verbandswechsel erfolgen. Das dazu benötigte Material bekommen Sie von uns mit.

Wir empfehlen eine Wiederholung der Therapie je nach Erkrankung nach 1-2 Wochen und nach weiteren 4-6 Wochen. Bei chronischen Fällen kann sich eine Therapie alle 3-4 Monate anschließen.

 

Quelle: kleintierpraxis-im-pfaffental.de

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